Tag 5: Vis, Rukavac

Eine kleine idyllische Ankerbucht am südöstlichen Zipfel von Vis, die eigentlich nur für einen kurzen Badeaufenthalt auf dem Weg nach Komiza vorgesehen war. Die Anderen waren bereits vor uns eingetroffen und hatten schon ihre Schlauchboote klargemacht. Die Mannschaft der Painkiller war mit ihren aufblasbaren SUP Brettern unterwegs und an der kleinen Bootsanlegestelle lagen zwei Tauchboote, wo gerade die letzten Vorbereitungen zur Ausfahrt getroffen wurden. Lautes Gegröle aus einem Lokal, wies unmissverständlich darauf hin, dass einige Flottenteilnehmer bereits den nahen Strand erreicht haben mussten. Also herrschte ganz schön reges Treiben in der sonst so ruhigen Bucht.

Der Strand schien sehr in Ordnung. Palmwedel gedeckte Sonnenschirme über bequemen Strandliegen säumten den Kiesstrand vor einer sehr urig wirkenden Strandbar. Diamond Beach, eine Lounche Bar mit Fisch- und Fleischspezialitäten, Cocktails und Dance am Plaza Teplus, so war es aus Prospekten zu vernehmen. Klang ganz gut. Wir entschlossen uns in Ruhe abzuwarten bis sich die Lage etwas beruhigt hat und zur späteren Stunde das Strandlokal aufzusuchen.

Es dauerte auch nicht lange bis sich die ersten Boote auf den Weg nach Komiza machten und es immer ruhiger wurde in der Bucht. Mit jedem Boot, welches das Weite suchte gewann das Örtchen an Charm. Die Tauchboote verschwanden, im Strandlokal kehrte Ruhe ein und die katternden Außenbordmotoren der Schlauchboote verstummten. Hin und wieder wurde die Stille durch das Rattern einer sich hebenden Ankerkette einer ablegenden Yacht unterbrochen.

Es wurde still. Die Sonne neigte sich gegen Westen und tauchte die gegenüberliegende Insel in ein wunderbares Licht. Von der Strandbar vernahm man leise Lounch Musik worauf wir uns zu fragen begannen, ob wir uns tatsächlich noch das hektische Hafengeplärre in Komiza antun sollen oder nicht besser hier, nach einem guten Abendessen, ein Fläschchen guten Weines zu uns nehmen sollten. Die Entscheidung fiel nicht schwer und wir machten das Beiboot klar, um die nahe Strandbar aufzusuchen.

Es war sehr ruhig geworden im Lokal. Ein Pärchen saß etwas abseits unter einem der Palmendächer und der Wirt schien sich hinter der Theke zu langweilen. Das Lokal war sehr rustikal ausgestattet. Massive, handgemachte Eichenmöbel dominierten unter der mit Palmwedel gedeckten Terrasse, von der man einen wunderbaren Ausblick auf die gesamte Bucht genießen konnte. Ein uralter Außenbordmotor von British Seagull mit fünfflügeligem Propeller hing an einem Holzbalken: „The best Outboard Motor for the World“, so stand es auf seiner Motorabdeckung, bestimmt schon gefühlte hundert Jahre lang.

Alles schien sehr sauber und gemütlich. Lediglich die Bedienung ließ etwas auf sich warten. Scheinbar hatte der Wirt sein Tagesumsatzpensum bereits erreicht, da er nicht sehr erfreut zu sein schien, als wir eine Speisekarte verlangten. Diese spielte zwar alle Stückerln und unsere Bestellungen wurden auch promt entgegengenommen, aber kaum in der Küche angelangt, kam auch schon die Rückmeldung: „Leider aus“. So ging das einige Male hin und her bis wir endlich was gefunden hatten, um unser mittlerweile arg hungrigen Mägen zu füllen.

Entschädigt wurden wir durch einen fantastischen Ausblick in die Bucht. Eine Möwe die sich im Lokal herumtrieb und beinahe vergeblich nach Essensresten suchte, fand schlussendlich doch noch ein großes Stück hartes Brot, welches sie an den Strand schleppte und ins Wasser tunkte, um es anschließend zu verspeisen.  Es war interessant diesen klugen Vogel zu beobachten, wie geschickt er sich anstellte, um an sein Futter zu kommen.

Die Sonne hatte bereits den Horizont erreicht und über der Kimm im Osten erhob sich ein riesiger Vollmond, der langsam gegen den Himmel zu schweben schien. Mit jeder Minute änderte sich das Licht in der Bucht. Lag zu Beginn ein helles leuchtendes Gelb auf den Felsen der gegenüberliegenden Inseln, so färbten sich diese rasch in ein tiefes Orange, um bald darauf mit purpurnem Abendrot zu verschmelzen. Langsam begann sich die Dunkelheit auszubreiten und der Mond strahlte, immer heller und heller… .

Das konnte doch nicht sein, dass es hier nicht noch ein geöffnetes Lokal in der Ortschaft gab. Irgendwie begann es mich zu reuen nicht doch nach Komiza gesegelt zu sein, denn nach dem üppigen Mahl mit mehrfach genossenen Bieren, stellte sich ein gewisser Drang nach „Mehr“ ein. Ein „Mehr“, dass sich möglicherweise in der kleinen Ortschaft abseits des Strandes finden ließe. Darum entschlossen wir uns (Franz und Franz) unseren Skipper Franz, alleine mit dem Beiboot zum Schiff zurückkehren zu lassen, um uns dann in weiterer Folge bei der Bootsanlegestelle in der kleinen Ortschaft abzuholen zu können. Außerdem konnte uns ein wenig Bewegung keinesfalls schaden, wenngleich andere Beweggründe ausschlaggebend waren den Fußmarsch anzutreten.

Es kam wie es kommen musste. Das Örtchen erwies sich als still. Stiller als jedes „Stille Örtchen“ still sein konnte. Kein Licht drang aus den Häusern, die Ortschaft war tot. Gespenstisch fahles Licht der Straßenlaternen warf lange Schatten auf die unbefestigten Wege in den schmalen Gassen zwischen den Ferienhäusern. Die Saison war zu Ende. Rukavac war scheinbar eine Ortschaft für Individualtouristen die den üblichen Touristenrummel entgehen wollten. Sicher einen Urlaub Wert für Menschen die Ruhe suchen, die abseits der gängigen Ziele entspannte Ferien verbringen möchten. Nichts aber für Menschen in meinem damaligen Zustand. Getrieben von der unbeschreiblichen Anziehungskraft des mittlerweile hoch am Himmel stehenden Mondes, suchte ich verzweifelt im kleinen Hafen des Örtchens ein Lokal das Abhilfe versprechen konnte. Nichts; alles zugenagelt, verschlossen, dichtgemacht. Es war ein Alptraum…

So blieb uns nichts anderes übrig, als uns von unserem Skipper wieder an Bord holen zu lassen, um dort noch den einen oder anderen Moonshiner genießen zu können.

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