Tag 6: Drvenik Veli

Segeltechnisch ist mir auf der Fahrt nach Drvenik Veli so gut wie nichts in Erinnerung geblieben. Folglich kann sich auch nichts Erwähnenswertes zugetragen haben. Geplant war ein gemeinsames Abendessen in der Konoba Jere, wo uns unter anderem eine Oktopus Peka serviert werden sollte. Auf die freute ich mich besonders.

Bis Heute ist es mir ein Rätsel geblieben, wie wir es schafften konnten, an der doch recht kleinen Pier allesamt Platz zu finden. Eng gedrängt lagen wir nebeneinander, als sich dann noch die Painkiller – eine 52 Fuß Yacht – zwischen uns hineinzwängte. Der Hafenmeister hatte seine wahre Freude mit uns. Bei Chorgesang, Gitarren- und Trompetenklängen dirigierte er die Yachten durch virtuoses Händeringen an die vorgesehenen Plätze. Beim Abkassieren nahm er den einen oder anderen angebotenen Manöverschluck, den er sich aber auch redlich verdient hatte. Dementsprechend hurtig schwang er sich nach getaner Arbeit auf sein Moped und brauste mit todesverachtender Geschwindigkeit über die Pier nach Hause. Er ward nie mehr gesehen…

Im Hafen hatte sich in den Jahren meiner Abwesenheit absolut nichts verändert. Aus der Mauer ragten noch immer dieselben Kabel, wie sie seinerzeit zwar für die Stromversorgung vorbereitet, jedoch niemals unter Strom gesetzt worden sind. Geschweige denn, dass es einen Wasseranschluss gegeben hätte. Lediglich die Liegegebühren haben sich verändert – nach oben versteht sich. Der Stimmung konnte dies alles aber keinen Abbruch tun. Schnell fanden sich die Musiker unter uns mit der Crew eines holländischen Seglers zusammen, die ihrerseits unter gitarrenbegleitendem Chorgesang und traditionellen Bordgetränken den herrlichen Sonnenuntergang genossen. So kam es, dass Schmidi`s Taschentrompete durch die Lippen eines holländischen Musikprofessors  vergewaltigt wurde, was man nicht gerade als „Ohrenschmaus“ bezeichnen konnte, aber der Stimmung am Kai trotzdem keinen Abbruch tat. Bis lange nach Sonnenuntergang dauerten die Gesänge und endeten erst abrupt als der Aufruf zum Abendessen erschallte. Wir hatten die gesamte oberste Etage der Konoba Jere reserviert. Dort wurde uns auch ein riesiges Vorspeisenbuffet und anschließend verschiedene Varianten von Peka serviert. Oktopus, Lamm, Rind und Huhn gab es, mit viel Gemüse unter der Glocke. Als Beilagen kamen Kartoffel, Reis und Salate auf den Tisch und man konnte nach Herzenslust schlemmen. Bier, Wein und sonstige Getränke flossen in Strömen, was nicht nur dem mittlerweile wieder hoch über den Hügeln der Bucht stehenden Vollmond zuzuschreiben war. Die Stimmung unter den Flottenteilnehmern war ausgesprochen gut. Lediglich bei dem einen oder anderen Skipper schienen sich einige Sorgenfalten auszuprägen. Hatten sie doch schon vorab den Wetterbericht für den kommenden Tag eingesehen und der verhieß nichts Gutes. Bora bis zu sechzig, siebzig Knoten standen für den frühen Nachmittag auf dem Programm.  Wir sollten doch sehen, dass wir rechtzeitig unseren Ausgangshafen erreichen um nicht in den Sturm zu geraten.

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