Tag 8: Heimreise

Etwas gerädert von den Unbilden der vergangenen Nacht torkelte ich auf den Niedergang zu. Kaum zu glauben! Der Himmel erstrahlte im herrlichsten Blau. Lediglich einige Wolken säumten den Horizont und die Sonne brannte erbarmungslos auf uns hernieder. Als ob sich nie ein Unwetter zugetragen hätte, zeigte sich der Tag von seiner schönsten Seite. Eine frische Brise wehte aus nördlicher Richtung. Idealer Segelwind – jetzt – kurz vor unserer Heimfahrt. Flugs war das Schiff geräumt und übergeben, was dann doch noch für Aufregung sorgte. Am Bug der Gorki fand sich eine etwa handtellergroße Celcoat Absplitterung, die niemanden zuvor aufgefallen war. Wir waren sicher, dass der Schaden keinesfalls von uns verursacht worden war. Möglicherweise war uns während unserer Abwesenheit in der Marina Korcula oder im Sturm der letzten Nacht jemand in den Bug gekracht. Letzteres erschien mir sehr wahrscheinlich, da der übernehmende Marinero sehr unsicher wirkte und auch nicht auf Erstattung des Schadens bestanden hatte, was sehr unüblich ist im Chartergeschäft.  Normalerweise kann bei einem derartigen Schaden zumindest die Kaution abgeschrieben werden.

So blieb uns dann lediglich vor dem Marinacafe das Eintreffen unseres Busses abzuwarten, wo sich so nach und nach die Flotten-Crews versammelten. Es galt nun mehr auch nichts zu vergessen auf den Schiffen. Insbesondere war an den Sektionswimpel zu denken, der seit Otok Dobri unter der Backbordsaling zu wehen hatte. Den zu vergessen war ein schweres Vergehen, das nur mit ausgiebigen Runden empfehlenswerter Getränke gut zu machen war. Das war Ehrensache.

Der Bus war schon eingetroffen und ich beobachtete schon eine ganze Weile, wie weit draußen am Steg ein kleiner bunter Wimpel aufgeregt unter der Saling einer Yacht im Wind flatterte. Die Farben erinnerten sehr an die unseres Clubstanders, sodass ich mich entschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Kaum am Steg angekommen, kam mir ein schweißtriefendes, abgehetztes Flottencrewmitglied eines weit draußen am Steg liegenden, nunmehr ungenannten Schiffes entgegen, der ein kleines buntes Etwas unter seiner Gürteltasche zu verbergen suchte.  „Jetzt habt`s aber Glück gehabt, ich wollte soeben rausgehen und euren Wimpel sicherstellen“ sagte ich zu ihm, worauf er mich mit Unschuldsaugen ansah und meinte: „Was?“, „ Wieso?“, Was meinst denn?“, „Is irgend was?“ „Hab nur noch einen Kontrollrundgang durchgeführt“.

Es soll hier nicht näher darauf eingegangen werden, ob „fast vergessen“ nicht auch schon ein wenig als „vergessen“ gilt.

Das war`s dann auch schon. Bis auf die ewig lange Busreise nach Hause, bei der die anhaltende Stille im Bus, nur durch die obligaten Rauch- und Pinkelpausen unterbrochen wurde, hat sich nichts aufregendes mehr zugetragen.

Mit diesen Zeilen bedanke ich mich herzlich für die schöne Zeit mit euch, für die Organisation und die eine oder andere erwähnenswerte Anekdote, die sich – um hier ihren Niederschlag zu finden – zugetragen hat.

Und sollte sich jemand auf den Schlips getreten fühlen, so bringe ich ihm in Erinnerung, dass jede Übereinstimmung des hier Niedergeschriebenen mit tatsächlichen Ereignissen und lebenden Personen, rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt ist.

Wäre das alles so passiert, dann wäre ich gerne dabei gewesen.

-Ende-

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.