Kapitel 13: rund Rhodos; arme Eseln und Abflug

Das Feuer des Alkohols flackerte noch ganz beachtlich, als Ossi und Poldi mit den gemieteten Kleinbussen vorfuhren. Meine Badehose hatte ich voll Optimismus eingepackt, in der Hoffnung es würde so heiß werden, dass es unmöglich wäre etwas anderes als einen goldfärbigen Sandstrand auf Rhodos zu besichtigen. Für den Fall, dass es nicht so heiß werden würde, dass man baden könnte, hatte ich meine kurzen Hosen angezogen. Ich dachte mir, man würde mir so gekleidet den Eintritt zu so manchen heiligen Stätten verweigern, wie es schon auf Patmos geschehen war. Ich hätte mich dann, ohne mein Gesicht zu verlieren, im Bus ausstrecken können, während die Anderen zwischen altertümlichen Steinhaufen den Ausführungen von Professor Moitaschl lauschen müssten. Weder das Eine noch das Andere war mir vergönnt. So blieb mir nichts anderes übrig, so wie alle anderen Teilnehmer auch, die Tortur über mich ergehen zu lassen. Wie hätte ich sonst erfahren, dass die Stadt Rhodos, im Jahre 408 v. Chr. neu gegründet wurde, sie eine Akropolis, einen Tempel, ein Theater und noch so vieles mehr besitzt. Dass von 1522 bis 1912 die Türken auf Rhodos herrschten und die von 1309 bis dahin herrschenden Ritter des Johanniterordens am 1.1.1523 abzogen. Glücklicher Weise blieb uns der Rundgang auf der vier Kilometer langen Stadtmauer, welche die Altstadt umgibt, erspart und es ging voll Tatendrang, in höllischer Fahrt den Berg hinan nach Dimilia, einem Kloster, hoch droben über den Dächern der Insel. Selbst dort zeigte die Blöße meiner Beine keinerlei Wirkung und ich ärgerte mich über den Verfall der moralischen Gesinnung, der offenbar durch bare Münze des Massentourismus herbeigeführt wurde. Mit freudigem Schlafzimmerblick bewunderte ich die mehr oder weniger gut aufgeschichteten Steine. Mein Interesse hatten bloß die aus dem 13. Jh. Stammen den byzantinischen Fresken in der Foundoukli Kapelle geweckt, wo einem glücklicher Weise der Eintritt durch mächtige Eisengitter verwehrt wurde. Weiter ging es im Affentempo, in die Anthoni Quinn- Bucht, wo ich mir endlich den Sprung ins kühle Nass erhoffte. Nichts wurde draus. Noch ehe wir die idyllische Bucht erreichten, zog eine Schlechtwetterfront auf, lies noch nie dagewesene Wassermassen auf uns herabstürzen und sorgte dafür, dass mein Traum vom Badeaufenthalt am Nachmittag, buchstäblich hinweggeschwemmt wurde. Dementsprechend unfreundlich war es dann auch in der Anthoni Quinn-Bucht, welche wir in einem kurzen Augenblick der Wetterbesserung besichtigten. Deshalb hielten wir uns auch mehrheitlich in der nahen Strandtaverne auf, was Gerrar (gesprochen Scherra), ein lebendes kärntnerisches Relikt aus längst vergangenen Zeiten – ein sogenanntes Urviech – zum Anlass nahm, sich volllaufen zu lassen, um sich den noch folgenden kulturellen Übergriffen auf seinen Geist zu entziehen. Dies gelang ihm vortrefflich, denn er erwachte erst wieder als wir bereits mit dem Abendessen fertig waren und uns auf dem Heimweg befanden. Bis dahin war jedoch noch einiges zu leisten. Lindos war noch ein wesentlicher Programmpunkt, den wir zu absolvieren hatten. Wir besichtigten dort die Altstadt und die Akropolis bei strömenden Regen. Da durfte doch ein Eselsritt nicht fehlen. Während ich mich zu Fuß über die Treppen zur Akropolis hinaufquälte, saßen die restlichen Ausflügler auf gesattelten Eseln und quälten diese den Berg hinauf. So musste jener Esel, welcher Ossi den Berg hinaufgeschleppt hatte notgeschlachtet werden, weil der Rücken des armen Tieres derart durchhing, dass es ständig mit dem Bauch am Boden streifte und nicht mehr zu gebrauchen war. Auch dem Esel, welcher Gernot schleppte, ging es nicht viel besser. Er hatte jedoch Glück. Er überlebte wenigstens. Am Gipfel angekommen erwarteten uns außer einigen Ruinen nur noch äußerst mieses Wetter. Der Wind blies eisig und peitschte uns den Regen ins Gesicht. Unter diesen Umständen wurde jede Besichtigung einer noch so schönen Steinaufschlichtung zur Horrorvision. Wie freute ich mich schon auf das Abendessen. Die Nachwehen vom Alkoholgenuss des Vortages waren bereits verschwunden und die körperlichen Bedürfnisse stellten sich schön langsam wieder ein.

Es gab gegrilltes Lamm. Vorzüglich; ich war begeistert. Noch nie hatte ich derartiges gegessen. Es wurde fast zu wenig, solchen Appetit brachten wir nach den Anstrengungen des Tages an den Tisch. Einige Flaschen edlen Weines rundeten das vorzügliche Mahl ab und brachten Stimmung für den geplanten Besuch einer Buzuki. Was es mit einer solchen Buzuki auf sich hat wurde mir bis heute nicht klar, denn als wir gegen dreiundzwanzig Uhr noch immer bei Michael im Cafe saßen und sich keiner entscheiden konnte, was zu tun sei, zerstreuten wir uns einfach und gingen jeder seines Weges. Wir landeten, wie bereits vorauszusehen war wieder in der Alko-Disco und ließen uns die Ohren voll brüllen. Kurz nach Mitternacht hatte ich genug von der Discohölle und beschloss mich Günther, Werner und Poldi anzuschließen, welche sich von einem Taxi in ein anderes Lokal bringen ließen. Es war eine noble Bar, in welcher uns der Taxilenker absetzte. Nach seinen Worten war es eine Bar, welche von übriggebliebenen Frauen und Witwen, zur Partnersuche aufgesucht wird. Sollte es hier tat sächlich Lokale geben in denen sich Frauen die Männer angeln? Scheinbar war gerade Schonzeit und die Zeit zum Angeln bereits vorbei, denn als wir das Lokal betraten verstummte sogar die kleine Musikkapelle, welche zum Tanze einiger Pärchen aufspielte. Vereinzelt saßen Frauen an den kleinen Tischen und schienen nur darauf zu warten, angesprochen zu werden. Doch jeder Versuch ein Gespräch anzuknüpfen schlug fehl. Sprach man eine der Damen an, so überflutete zarte Schamesröte ihr Gesicht und vor lauter Schüchternheit brachten sie kein anderes Wort als „no“ heraus. Die meisten waren so verstockt und schüchtern, dass es kein Wunder war, dass sie noch keinen Mann hatten. Schließlich gelang es mir doch eine kleine Norwegerin für meine Tanzbedürfnisse zu gewinnen, worauf die Band geradezu aus Protest ihr liebliches Spiel beendete. So blieb uns dann nichts übrig als gegen vier Uhr früh in Richtung Schiff aufzubrechen. Mit gemischten Gefühlen begaben wir uns zur letzten Nacht auf unsere Paladia, an die wir uns schon so sehr gewöhnt hatten. Uns blieb nicht mehr viel Zeit, denn um sieben Uhr würde unsere Maschine Richtung Athen abfliegen. So kam ein wenig Traurigkeit auf, welche jedoch sofort von der Freude auf das Wiedersehen mit den Lieben zu Hause übertrumpft wurde. 

Wir trauten unseren Augen nicht, als wir an Bord gehen wollten. Das Schott war dicht gemacht und ein großer weißer Zettel prangte an seiner Front. „Bin in der Buzuki, Ossi“, stand es in großen roten Lettern geschrieben. Nun ärgerte es uns doch ein wenig, dass wir nicht gewartet hatten, zumal wir nun die Zeit bis zum Morgengrauen an der Mole verbringen hätten müssen, hätte Ossi nicht vergessen die Luke des Bordklos im Vorschiff zu schließen. So zwängten wir uns durch diese Luke und Ossi war ziemlich überrascht, als er uns wider Erwarten bei einigen Gläsern Metaxa an Bord vorfand. Wir leerten gemeinsam noch einige Gläser und ließen die Erlebnisse der vergangenen Tage noch einmal lebendig werden. Es war fast überflüssig, dass wir uns noch hinlegten, denn eine Stunde später ließ Ossi sein Nebelhorn ertönen und auf ging’s in rasender Fahrt, Richtung Flughafen. Günther, Gernot und Ossi blieben an Bord, um mit der neuen Mannschaft die Fahrt zurück nach Athen anzutreten.

Blutrot, wie ein riesiger Feuerball stieg die Sonne langsam über die Hügel von Rhodos empor, als wir am Flughafen eintrafen. Als wolle sie sich zum Abschied in ihrem schönsten Kleid zeigen, überflutete sie die Insel mit purpurnen Lichtern und ließ ihre wärmenden Strahlen über unsere Gesichter streifen. Mit einem wunderschönen Airbus, wo ich neben einer noch wunderschöneren jungen Dame Platz fand, hoben wir ab. Letztere musste wohl sehr von den, dem über mäßigen Alkoholkonsum des erst kürzlich beendeten Abends, gefolgten Ausdünstungen meines Körpers angetan gewesen sein, da jeder Versuch mit ihr ins Gespräch zu kommen, sofort in Keim erstickt wurde. So war mir das nur recht und ich konnte mich ruhigen Gewissens ins Land der Träume begeben, um erst kurz vor der Landung in Athen zu erwachen. In Athen warteten wir eine gute Stunde auf unser Gepäck, nicht wissend, dass dieses sogleich in die Maschine nach Wien umgeladen wurde. Da wir bis zum Anschluss noch gute drei Stunden Zeit hatten, legten wir uns auf den schon bekannten, verdreckten Strand vor dem Hotel Albatros, wo wir uns von den über unseren Köpfen hinwegbrausenden Maschinen mit Kerosinabgasen berieseln ließen. Trotz des ohrenbetäubenden Lärmes, welchen die Flugzeuge verursachten, schliefen wir am Strand bis zum Abflug unserer Maschine. Um fünfzehn Uhr landeten wir endlich in Wien. Beim Abholen des Reisegepäcks, trafen wir jenen Skipper, dessen Gepäck sich auf unerklärliche Weise unter das unsrige gemischt hatte. Nun erfuhr er doch noch, dass er sein Gepäck wiederbekommen würde.

So ging ein Abenteuer zu Ende, welches erlebt und überlebt haben zu dürfen, ich heute noch dankbar bin. Ich lernte die Gefahren, Unbilden und Schönheiten der See innerhalb von vierzehn Tagen kennen und auch wenn etliche Stunden der Seekrankheit, der Reise einen zartbitteren Beigeschmack gaben, so überwiegen heute doch die Gedanken an die angenehmen Seiten der Fahrt. Natürlich sind nicht alle hier niedergeschriebenen Geschehnisse tatsächlich so gewesen. Übertreibungen und das Miteinspinnen von einigen Kilometern Seemannsgarn sollen der Geschichte den nötigen Schliff geben. Und sollte jemand glauben sich zu erkennen oder sich auf den Schlips getreten fühlen, so sei ihm gesagt, dass alle Geschehnisse, sowie die vorkommenden Personen und deren Namen frei erfunden sind und jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen und Personen rein zufällig ist und nicht vom Autor nicht beabsichtigt.

-Ende –

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