Geile Nacht

Doch was war das? Unsanft schreckte ich in die Höhe. Etwas krachte gegen das kopfseitige Haupt meines Bettes. War es die Wand die gegen das Bett krachte? Oder war es das Bett vom Nachbarzimmer, das gegen die Wand schlug? Nun, es war nur letzteres möglich und ich erkannte auf Grund der Regelmäßigkeit des Geräusches sofort die Ursache. Es musste wohl ein fleißiges Pärchen am Werk gewesen sein, was mir durch lüsternes Gekreische ihrerseits und durch Löwengebrüll von seiner Seite, bestätigt wurde. Nun wäre gegen solcherlei Geräusche nichts einzuwenden, zumal es der Fantasie recht förderlich ist solche mitanzuhören. Wäre vielleicht noch ein Bildschirm anzuknipsen gewesen, so wäre der störende Effekt der Vorstellung ganz dahin gewesen. Da es nicht so war und sich die Geräusche höchster Erregung immer wieder und wieder wiederholten, ja andauerten bis in die frühen Morgenstunden, war kaum an Schlaf zu denken. So fand ich erst im Morgengrauen meinen wohlverdienten Schlaf, der nun wieder alle fünf Minuten durch startende und landende Flugzeuge unterbrochen wurde.  Bei alledem habe ich den, durch den Verkehr der unmittelbar unter dem Hotelzimmerfenster vorbeiführenden Küstenstraße verursachten Lärm außer Acht gelassen. Fahrzeuge mit einer Frequenz von gut hundert Einheiten in der Minute, darunter mindestens zwanzig Mopeds mit schadhaften Auspuffanlagen, brausten mit ungeheurer Geschwindigkeit die Küstenstraße entlang. Trotzdem wurde es Morgen und das Frühstück nahte.

Als ich in den Speisesaal kam war ein Großteil der Mannschaft schon unterwegs. Ich war einer der letzten, der aus dem Bett gekrochen war. Ossi und Gernot waren bereits unterwegs Verpflegung einzukaufen, während sich der Skipper Günther und Werner daran machten unser Segelboot zu übernehmen. Fritzi und Poldi schliefen noch und die restlichen drei, Mani, Fritz und Fredi, saßen soeben beim Frühstück und warnten mich vor dem überaus starken Kaffee. Und tatsächlich sprach das Frühstück alle Sprachen. Das Brot, die einzelnen Scheiben in Cellophan verpackt, zerbröselte so wie man es auspackte. Vom Kaffee schliefen mir die Füße ein und die Butter war versalzen. Einige Kekse – nicht weniger bröselnd als das Brot – mit etwas Marmelade, bestätigten sich dann als einigermaßen essbar. Ich setzte meine ganze Hoffnung in den vorzüglich aussehenden Orangensaft, da sich mittlerweile auch der am Vortag zu mir genommene Alkohol in Form eines Brandes bemerkbar machte. Doch nach so vielen Fehlschlägen wunderte es mich nicht, dass nicht alles Gold war was glänzte. Der Orangensaft entpuppte sich als undefinierbares, sich süß und zäh den Schlund hinabziehendes schleimiges Etwas, das nicht zu trinken war. So war es doch am besten den Morgen sogleich mit Bier und Metaxa oder meinetwegen auch mit Ouzo zu beginnen. Auch wenn das Bier etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber was soll’s, andere Länder andere Biere, heißt ein bekanntes Sprichwort. Kaum hatten sich Fritzi und Poldi verspätet zum Essen eingefunden, drängte Poldi auch schon mit dem Kartenspielen zu beginnen. Die Hotelbar wurde sofort in eine Spielhölle umgewandelt. Neuankömmlinge meinten im falschen Flugzeug gesessen zu sein und fragten ob sie denn hier in Las Vegas gelandet wären.

Ich hatte endlich Zeit, das Meer zu begrüßen. Es war kalt, sehr kalt. An ein Bad war überhaupt nicht zu denken. Das Wasser hatte höchstens sechzehn Grad. Obwohl es sonnig war, frischte der Seewind ordentlich auf und kühlte die Luft merklich ab. Wir konnten froh sein, dass es so war, denn bei unserer Ankunft war es total unfreundlich. Es hatte kaum mehr als fünfzehn Wärmegrade, was entschieden zu wenig war. Starke Bewölkung zeigte der Himmel und ein unfreundlicher, kalter Wind blies uns schon beim Verlassen des Flughafens entgegen. Der Strand war ein richtiger Müllabladeplatz. Vom Hausmüll über Fixerspritzen und Autoreifen, war alles auffindbar. Inmitten dieses Tohuwabohus fand sich ein verwegener Strandläufer, der den Strand nach Muscheln und bunten Steinen absuchte, was wahrscheinlich schon oft mit wunden Füßen geendet hatte. Dies erkannte man an den mit äußerst festem Schuhwerk geschützten Füßen. Es war nicht gerade das was man sich von Reiseprospektidylle beeinflusst, von griechischer Sonne und griechischen Badestrand so vorstellt. Ich tröstete mich damit, dass wir ja spätestens am Nachmittag auf einer dreizehn Meter langen Segelyacht, die Stätte des Grauens verlassen und uns den einsamen, kilometerlangen, palmenumsäumten, menschenleeren Stränden zuwenden werden.

Hurarei

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