Kapitel 3: Hyper und Hypo

Ich kann kaum mit Bestimmtheit sagen, wer denn von uns am meisten Pech gehabt hatte. Jedenfalls hatte Mani die Begabung alles was er anfasste kaputt zu machen Er wollte – da an der Kartenlampe die Glühbirne durchgebrannt war – eine Glühbirne aus der Deckenbeleuchtung im Saloon herausnehmen und auswechseln. Er muss zwei linke Hände haben. Kaum hatte er die Verglasung der Deckenleuchte mit einem Schraubenzieher gelöst, schon krachte sie auf die Tischplatte und zerbarst in tausend Scherben. Noch dazu stellte sich dann heraus, dass die Glühbirne der Deckenleuchte nicht in die Fassung der Kartenlampe passte. Es blieb zwar der Trost, dass Scherben Glück bringen, aber es sollte nicht das Letzte sein was Mani zunichte machte.

Unter Vollzeug ging es hart am Wind dem nächsten Hafen, Palea Fokea entgegen. Wegen der vielen Wenden und den zwangsläufig damit verbundenen Manövern, wurde auch der Manöverschluck entsprechend geübt. Kurz vor dem Einlaufen hatten wir es bereits auf stolze vierzehn Flaschen Rezina gebracht. Dem entsprach auch unser Zustand. Die Seekrankheit hatte kaum noch eine Chance und hätte sich einer übergeben, so wäre es sicher nicht auf den Seegang zurückzuführen gewesen. Wie dem auch sei, es waren ganze fünf Anlegeversuche erforderlich, um das Boot sicher im Hafen festzumachen. Das Segel einbringen verursachte kaum Schwierigkeiten, wenn auch das geborgene Segel wie ein zusammengeknülltes Taschentuch vom Baum herunter hing. Doch auf Feinheiten konnte zu diesem Zeitpunkt noch kein Wert gelegt werden. Schwerarbeit war das oftmalige Anker werfen und lichten. Fritzi und Fredi hatten schon Arme wie Schwergewichtler vom vielen Ketten ziehen. Der Anker hatte keinen festen Grund gefunden und es bereitete einige Schwierigkeiten den Rand der ohnehin schmalen Mole anzufahren, ohne auf die unmittelbar angrenzende Untiefe aufzulaufen. Hier erst wurde mir bewusst, was es heißt ein solches Schiff zu steuern. Dagegen war es ein Kinderspiel die Fender auszubringen und zu rätseln, ob man sie nun auf Slip legen oder einfach ein Mascherl oder gar einen Doppelknoten fabrizieren sollte. Endlich an Land, wurde sofort die Suche nach einem geeigneten Lokal fürs Abendessen aufgenommen.

Ein voller Erfolg. Ossi war in seinem Element. Sofort in der Küche, steckte er seine Nase in alle Töpfe und Pfannen. Natürlich hatte er auch gewaltigen Kohldampf, und wie es halt so ist wenn ein Hungriger Essen bestellt, kam er mit einem bisschen von allem. Dieses bisschen war so viel, dass wir es kaum Essen konnten. Von Tintenfisch über Grillkotelett und Seefisch gab es noch Fleischlaibchen und Rindfleisch. Dazu Salate, Saucen und Pommes im Überfluss. Ein gemütliches Lokal ohne Touristen. Natürlich leerten wir wieder einige Flaschen Wein und begaben uns dann gegen Mitternacht, voll von diesem, auf unser Boot. Ein einsamer Angler saß noch an der Mole und versuchte sein Glück. Wir hatten uns noch nicht zur Nachtruhe begeben, als draußen lautes Geschrei und Gejohle zu hören war. Ich sprang auf und lief nach draußen. Der einsame Angler an der Mole war nicht mehr einsam. Er hatte einen Fisch gefangen. Voll Freude zeigte er mir sein Exemplar. Es war ein gut dreiviertel Meter langer Meeraal, der heftig zappelte. Er schlug wie wild auf den Fisch ein und warf ihn etliche Male auf den Betonboden. Erst als sich der Fisch nicht mehr rührte, schnitt er ihm den Kopf ab und zerstückelte diesen um an seinen Angelhaken zu kommen. Was ich nicht wusste ist, dass dieser Meeraal sehr gefährlich werden kann. Beißt er einmal zu, so lässt er unter keinen Umständen mehr los und wenn man ihn auch tötet, so verkrampft sich sein Gebiss so sehr, dass man ihn nicht mehr los bekommt. Dazu kommt, dass er sich vorwiegend von Aas ernährt und sich oft giftige Speisereste in seinem Gebiss befinden, welche unangenehme Auswirkungen haben könnten. So soll es schon vorgekommen sein, dass ein Fischer von einem totgeglaubten Aal gebissen wurde und schwere Verletzungen davontrug. Nach dem ersten Tag auf See schlief ich besonders leicht ein. Mag auch der Alkohol das seinige dazu getan haben. Doch der Friede währte nicht lange. Wir dürften den Anlegeplatz eines Fischkutters erwischt haben, denn unmissverständlich machte dieser durch einen kräftigen Stoß gegen unsere Backbordseite, seine Liegerechte klar. Vorbei war’s mit dem gesunden Schlaf. Die Besatzung des Fischkutters machte sich daran ihren Fang zu bergen und zu sortieren, was offenbar nur mit Musik aus dem Bordlautsprecher und lautstarker Diskussion möglich war. Ohne nur die geringste Rücksicht zu nehmen, ging der Lärm bis in die Morgenstunden. Natürlich, diese Leute machten ihre schwere Arbeit und man konnte nicht verlangen, dass sie auf einige Möchtegern – Seeleute und verhinderte Hochseetouristen Rücksicht nehmen. So mussten wir uns wohl oder übel damit abfinden. Nicht sehr freundlich von den Fischern war es, dass sie – bevor sie ablegten – unsere Leinen losmachten und nicht wieder befestigten. Wäre Sturm aufgekommen, so wären wir unweigerlich gegen die Mole geschleudert worden. Dies hätte fatale Folgen haben können.

Nach einem hervorragenden, von Ossi und Poldi zubereiteten Frühstück, schnitzte ich aus einem gestrandeten Stück Holz, eine Segellatte. Es hatte sich herausgestellt, dass das Segel ohne die Latte, hart am Wind, stark zu killen begann. Dies verursachte ein lautes Schlagen und war für das Segel selbst nicht gerade schonend. Es war Sonntag. Die Einwohner, standen mit ihren Feiertagsgewändern an der Mole und begutachteten den Fang der Fischer. Eine jahrmarktähnliche Stimmung herrschte im Dorf und wir machten noch einen kleinen Rundgang im Hafen. Auch die Hafenpolizei wurde auf uns aufmerksam. So verschafften wir den Beamten einen Arbeitsnachweis für den Sonntag, indem wir uns mit der Crewliste zum Amt begaben. Stress gab es auch hier nicht. Es dauerte eine gute halbe Stunde bis er seinen Stempel auf unser Papier gedrückt hatte. Zurück im Hafen ereignete sich ein kleiner Zwischenfall, der einen unmittelbar neben unserer Yacht sitzenden Fischer sehr verwunderte. Frei nach dem Motto „Morgenschiss hat Gold im Mund“, begibt sich Gernot, seinem unwiderstehlichen Drange folgend, in den Nassraum zur Benützung des Yachtklos. Kaum hatte er das Seeventil geöffnet und die Pumpe betätigt, bekam der Angler große Augen, die ihm vor Verwunderung fast rausquollen. Goldfische! Schrie er aufgeregt. Goldfische! Und zeigte mit seinen Fingern auf die Wasseroberfläche. Tatsächlich trieben einige goldfärbige Klumpen, welche sich jedoch von echten Goldklumpen schon durch das spezifische Gewicht unterschieden, obenauf. Es dürfte jedoch dem Fischvorkommen dieser Gegend sehr förderlich gewesen sein, denn von nun an fing er zahlreiche Fische. Die restliche Mannschaft machte unter Deck sauber und wir konnten gegen neun Uhr auslaufen. Wir hatten herrliches Wetter und so ging’s nun weiter der Sonne entgegen. Zumindest waren wir zu diesem Zeitpunkt noch dieser Meinung. Zu den täglichen Verrichtungen nach dem Auslaufen gehörte das Deck schrubben. Mit Schrubber und Pütz bewaffnet, begab man sich auf das Vorderdeck und begann mit dem Säubern. Einer schüttete Wasser auf, das zu fassen bei rasender Fahrt gar nicht so einfach war, und der Andere schrubbte fest. Bis das Boot von vorne bis nach hinten abgerieben war, war man ganz schön geschlaucht.

Wir nahmen Kurs auf die Insel Kithnos. Der Wind stand gut und wir konnten eine Zeit lang einen Butterfly segeln. Gegen Mittag frischte der Wind wieder auf und mit sechs Knoten Fahrt, die das Log zeigte, kamen wir ganz gut voran. Bei mir machten sich erste Anzeichen von unwohl sein bemerkbar. Auf Anraten der altgedienten Seebären an Bord, sollte ich mich flach in der Mitte des Decks hinlegen und mich entspannen. Dies besänftigte sofort meine Magenwände und ich genoss es umso mehr in der Sonne zu liegen. Doch brachte mir das Sonnenbad einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht ein. Die Nase brannte mir wie Feuer. Ich hatte durch die kühlende Briese, die Kraft der Sonne unterschätzt. Aber auch den Anderen ging es nicht viel besser. Keiner hatte daran gedacht, sich mit Sonnencreme zu schützen. Fritzi sah aus wie ein Clown, so verbrannt war seine Nase. Auch Fredi war nicht viel besser dran. Jetzt kam es auch zu ersten Konsumationen von alkoholfreien Drinks. Der grässliche Orangensaft wurde mit einem Mal zum begehrten Brandlöscher. Auf Kithnos erreichten wir gegen siebzehn Uhr den Hafen von Mericha, wo wir festmachten. Diesmal ging es schon besser. Jeder wusste was zu tun war und es wurde bereits mehr Wert gelegt auf optisch gefällige Einbringung der Takelage. Die Genua machte hier keine Probleme, da sie mit einer Rollvorrichtung ausgestattet war. Das Großsegel jedoch wurde schon einige Male übungsweise zusammengelegt und verschnürt, bis es ein einigermaßen gefälliges Aussehen hatte. Schon bei Einlaufen in den Hafen versprach das Winken der in der wunderschönen Bucht anwesenden Leute, einen schönen Abend. Bei näheren Hinsehen mit dem Feldstecher, war zu erkennen, dass es sich um nette junge Mädchen handelte, die freudig an der Mole hüpften. Umso mehr bemühten wir uns eine Bilderbuchlandung hinzulegen. Und siehe da, es klappte beim zweiten Versuch. Die Enttäuschung war groß, als die uns aus der Ferne so freudig erschienenen Mädchen, nach kurzer Begrüßung, einen schönen Aufenthalt wünschend, verschwanden und sich nicht mehr sehen ließen. Vielleicht lag es an den bereits sprießenden Bärten und den knallroten Gesichtern, die wir nach dem mehr oder weniger unbewussten Sonnenbad vorzuzeigen hatten. Wir mussten ausgesehen haben wie außerirdische Bleichgesichter, denen nach ersten Kontakt mit nackten Weibern die Schamesröte ins Gesicht gestiegen war. So gestaltet, musste jede Frau die Flucht vor uns ergreifen. Wir ließen uns trotzdem den Tag nicht vermiesen. 

Es war ein herrlich warmer Sommernachmittag. Die Sonne stand noch einigermaßen hoch und tauchte das Städtchen in ein wundervolles, rosiges Licht. Mag sein, dass Mericha während der Urlaubssaison, überlaufen von sonnenhungrigen Touristen, keinen Pfifferling mehr Wert war, so war es im Frühling, als wir das Glück hatten die wunderbare Blütenpracht der Insel zu sehen, eines der schönsten Fleckchen Griechenlands. Auf der einen Seite das, für uns etwas primitiv wirkende, alte Fischerdorf und auf der anderen Seite die neuen, prächtigen Villen – die teilweise im Bau – daran erinnerten, dass hier der Massentourismus vor nicht allzu langer Zeit, Einzug gehalten haben muss. Eintausend Einwohner dürfte die Ortschaft gehabt haben und es wäre verwunderlich, wenn die an der großen Mole Platz findende Fähre, welche bestimmt einige Wochen nach unserem Besuch wieder angelegt hatte, nicht dafür Sorge getragen hätte, diese Einwohnerzahl zu verzehnfachen. Die Sonne neigte sich dem Abend zu und verbreitete immer stimmungsvoller werdendes Licht. Die alten Fischer saßen vor den Tavernen und mögen wohl den letzten Fang besprochen haben. Sie saßen in ihren besten Anzügen, mit sonnenverbrannten Gesichtern, aus denen sich der ständige Kampf mit der See und ihren Gefahren wiederspiegelte und sogen an ihren starken, filterlosen Zigaretten. Am kleinen, wackeligen Straßentisch lag Brot, frisches trockenes Weißbrot, das sie langsam zwischen den schluckweise genossenen Getränken kauten. Kinder tollten zwischen den Tischen umher. Die Sorglosigkeit und idyllische Ruhe, welche durch die Umgebung ausgestrahlt wurde, griff sofort auf uns über. Ein kleines Segelboot lag neben unserer Yacht. Kaum fünf Meter lang, schaukelte es aufgeregt hin und her. Es war ein Plastikboot wie man es eher am Neusiedlersee oder auf anderen Binnengewässern vermuten könnte. Kaum anzunehmen, dass es auf dem Seeweg hierher kam. Am späten Abend sollte ich erfahren, dass das Boot einem jungen Kärtner – seinen Namen hatte ich nie er fahren – gehörte. Er erzählte von seiner abenteuerlichen Reise, von der nördlichen Küste Jugoslawiens, wo er sein Boot zu Wasser ließ, und nach drei monatiger Seereise – immer der Küste entlang – schließlich in Mericha hängenblieb. Seither komme er jedes Jahr im zeitigen Frühjahr hierher und bleibe bis zum Herbst. Über den Winter verdiene er seinen Lebensunterhalt in der Heimat und erspare sich den Aufenthalt für den Sommer. Bescheidene Lebensweise – er lebt auf seinem Boot – und die Mithilfe bei den Fischern, ermögliche ihm einen schönen, unbeschwerten Sommer zu verbringen. So lebe er in den Tag hinein und wäre glücklich sein Leben gestalten zu können wie er möchte. Er hatte sich bereits ein beachtliches Wissen um die Fischerei und die Mentalität der hier lebenden Leute angeeignet. Es war überaus interessant ihm zuzuhören.

Kurz nach dem Anlegen brach sofort die Kauflust in uns aus. Wir hatten einen kleinen Laden in der Stadt entdeckt der offen hatte. Vermutlich hatte der Besitzer unser Schiff ankommen gesehen, sofort ein Geschäft gewittert und geöffnet. Es dauerte nicht lange bis das Geschäft nebenan ebenfalls geöffnet wurde und uns der Verkäufer aufforderte, doch auch in sein Geschäft zu kommen und einzukaufen. Eine Leine für den Fischfang da, einen Angelhaken dort, irgendwo ein Taucherglas. Eine Sonnenbrille vielleicht, dann noch ein Hut und schon hatten uns die Einheimischen ins Herz geschlossen. Es folgte da eine Einladung zum Abendessen, kostengünstiger als im Geschäft nebenan und dort eine Einladung zum Dinieren, besser als in der Taverne nebenan. Dass wir uns schlussendlich dann für das billigste Fischrestaurant entschlossen hatten, das haben wir sehr bald bereut. Nachdem wir unsere Kaufwut gestillt hatten, wandten wir uns endlich der einzigen Bar am Strand zu. Die Mädchen die eben noch in der Abendsonne ihre Gesichter bräunten, waren wie durch Zauberhand verschwunden. Musste doch etwas mit unserer Anwesenheit zu tun haben, dass das weibliche Geschlecht in panischer Flucht das Weite suchte. Ein Teil der Mannschaft entschloss sich den nahen Hügel zu ersteigen um den Anblick der untergehenden Sonne mit erhabenen Weitblick zu genießen zu können. Ich zählte mich zu jenen, die in der Bar sitzen blieben und ein seltsames Getränk, mit Namen B-52, in meine Venen zu gießen. Dies hatte einige Folgen, denn das Abendessen genoss ich dann wohl in geistiger Umnachtung, sonst hätte ich wohl keinen Bissen hinuntergebracht. Unter den Bergerklimmern waren Fritz der alte, Poldi, Fritzi und Mani. Ich nehme an, dass auch Werner und Günther, den Gipfel erklommen haben. Es soll Mani am Gipfel des Berges eine wahrhaft eindringliche, intelligente Zwiesprache mit einem Esel geführt haben. Sie hätten sich so köstlich unterhalten, dass sie fast die Zeit vergessen hätten. Bei der Rückkehr kam es beinahe zu einem folgenschweren Zwischenfall. Fritz, der an Diabetes leidet, hatte den ganzen Tag über zu wenig gegessen. Niemand dachte daran, dass er ja regelmäßig Kleinigkeiten zu sich nehmen hätte müssen. Nun dachte er selbst, dass er seine Dosis lnsulin, welche er jeden Morgen und jeden Abend injizieren musste, noch Zeitgerecht nach der Wanderung bekommen könnte. Die Anstrengung war jedoch zu viel und Fritzi lief zum Boot voraus, um die nötige Menge Insulin zu besorgen, während sich die Anderen um den zusammengebrochenen Fritz kümmerten. Ein Löffel Zucker hätte bereits genügt um die Gefahr zu bannen. Doch bis zu diesem Zeitpunkt war es noch keinem bewusst, wie ernst zu nehmen diese Krankheit doch ist. Es ist nicht verwunderlich, dass es so weit kommen konnte. Wollte doch Fritz selbst von den Anderen keine Rücksichtnahme verlangen. Er ließ sich keine Schwäche anmerken und glaubte wahrscheinlich er falle uns zu Last, wenn extra für ihn Essen gerichtet und Pausen eingelegt würden. Jetzt kam in der allgemeinen Panik noch dazu, dass Fritzi die Bootsluke verschlossen vorfand, nicht wusste, dass Gernot und ich mit Ossi in der Bar am Strand hockten und wir aber den Schlüssel zum Boot bei uns hatten. Erst nach längerer Suche fand er uns, da waren aber auch schon die Anderen beim Boot angelangt. Jedenfalls fand alles noch ein gutes Ende. Es blieb nur der Schreck, auf Grund dessen wir uns ab nun mehr um Fritz kümmerten.

Mani hatte von seiner Erstbesteigung des Hausberges einen Strauß selbst gepflückter Blumen mitgebracht, den er voll Stolz seinem Kapitän überreichte. Es war ein schöner bunter Strauß mit verschiedenartigsten bunten Blumen, mit denen die Insel zu dieser Jahreszeit völlig überwuchert war. Die Nacht war bereits hereingebrochen, als wir endlich unser Fischrestaurant aufsuchten, von dem wir meinten, das Beste und das Billigste der Insel gefunden zu haben. Vielleicht war es das Billigste, kaum aber das Beste. Der Fisch war nicht auszuwählen, sondern man musste nehmen was da war. Da aber der Wirt kaum noch damit gerechnet hatte einen derartigen Ansturm von Gästen, bewirten zu müssen, war die Auswahl dementsprechend gering. Schließlich erwischte ich einen schrecklich bitteren, stinkenden Fisch, den ich sofort nach dem ersten Bissen ausspuckte. Ich wandte mich dann eher den flüssigen Nahrungswerten zu, was mir zwar die geistige Wahrnehmungsfähigkeit weiter eintrübte, mir jedoch nicht mehr als einen kräftigen Brand am Morgen einbrachte. Nicht so dem Günther. Ihm wurde schlecht. Er hatte sich mehrmals übergeben, nachdem er den Fisch ausgiebig genossen hatte. Auch Werner hatte seinen Teil abbekommen und war ab diesem Zeitpunkt besonders vorsichtig bei Fisch. So schlechtes Essen hatten wir zum Glück nie wieder bekommen. Wenn noch Jemand seine Innereien der Öffentlichkeit zuganglich machte, war es sicher nicht auf Grund des Essens, sondern eher der sich immer öfters ausbreitenden Alkoholexzesse, die wie eine Seuche um sich griffen. Jedenfalls machten Fritzi, Gernot und ich noch einen kleinen Rundgang im Städtchen, das gegen dreiundzwanzig Uhr bereits die nächtliche Stille umfangen hatte. Eine stimmungsvolle Nacht, in der sich die Lichter an der gegenüberliegenden Seite der Bucht im ruhigen Wasser spiegelten, um – nachdem man das Platschen eines gesprungenen Fisches hörte – wie wild im Wasser zu Tanzen. Wir kehrten zurück zum Schiff und fanden ein wildes Saufgelage vor. Die ganze Mannschaft saß um den jungen Kärntner herum und dieser drückte ihnen seine unglaublich klingenden Lebensgeschichten hinein. Es wurde noch so manche Flasche Metaxa geleert und wir unterhielten uns bis in den frühen Morgen. Es sollte uns noch leid tun, dass wir so verschwenderisch mit unserer Energie umgingen. Die ganze Nacht brannten die Lichter an Bord und obwohl Ossi die Deckenleuchte, welche Mani zerbrochen hatte, mit einer äußerst Energiesparenden, dicken, reifen Birne ausgestattet hatte, zeigte das Amperemeter der Schiffsbatterien zu wenig Strom zum Starten an. Diese Erkenntnis kam uns aber erst am nächsten Morgen, nachdem uns unsere „Weckhua“ durch deutlich hörbares Tuten mit dem Nebelhorn, äußerst unsanft geweckt hatte.

Wir nahmen noch höchst genussvoll unser Frühstück zu uns, um anschließend von unserem Missgeschick zu erfahren. Nun begannen erst die Schwierigkeiten. Keiner wusste wo sich die Schiffsbatterien befanden. Alles wurde durchsucht. An den unmöglichsten Stellen des Schiffes hielten wir Nachschau. Erst als wir die Backskisten im Heck vollkommen ausräumten, fanden wir die zwei Batterien höchst unpässlich platziert. In einem nicht zu öffnenden Hohlraum zwischen den beiden Backskisten fanden wir dann zwei Batterien vor. Fritzi, der neben seiner Hauptaufgabe als „Aungahua“, auch technisch sehr begabt war, erkannte sofort, dass die Batterien falsch angeschlossen waren. Sie waren so geschalten, dass bei Stromentnahme beide Batterien belastet wurden.Mit meisterlichen Geschick schloss er die Batterien so zusammen, dass ein Starten des Motors wieder möglich war. Anschließend richtete er die Stromversorgung wie vorgesehen so ein, dass immer eine Batterie zum Starten voll war. Dies war gar nicht so leicht, denn um zu den Batterien zu gelangen, musste man in eine der engen Backskisten klettern und in dieser heißen, stickigen Enge, umständlich mit dem Werkzeug hantieren. Schließlich gelang es Fritzi doch, unser Schiff klarzumachen und wir liefen mit zwei Stunden Verspätung Richtung Siros aus.

Kapitel 4

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