Kreuz und quer durchs Ionische Meer
vom 5. bis 12. Oktober 2019

Tag 1: Die Anreise

Es war kaum eine Kehle trocken geblieben, nachdem wir nach nervenaufreibenden Verspätungen beim Flug nach Korfu, am Abend des 5. Oktober samt unseren Gepäckstücken vor Tony`s Taverne aus dem Bus geworfen wurden, um von dort eben, einen anstrengenden Fußmarsch in die Marina Gouvia, zu unseren Segelbooten aufzunehmen. Die 72 Teilnehmer an unserem 10. Flottentörn, hatten sich das anders vorgestellt, zumal es kein Problem für den Busfahrer gewesen wäre, bis zu den Booten vorzufahren. Zum Glück waren die wichtigsten Getränke vorbestellt und zum Teil bereits eingekühlt, um die grundlegendsten Bedürfnisse der einzelnen Crews zu befriedigen: den Durst!

Ein feudales Dinner in Tony`s Taverne, sorgte für Entschädigung. Kaum einer konnte sich durch die unzähligen Gänge, welche quer durch die Speisekarte führten, durchessen. Ich selbst ging bereits nach der fünften Vorspeise K.O. und konnte mich an den vielen Hauptspeisen nur noch mit den Augen erfreuen. Bier, Wein und Wasser sprudelte aus nie versiegenden Quellen und die Band hatte Mühe, die immer lauter werdenden Debatten zu übertönen. Erst als sich eine Reihe zierlicher Griechinnen aufmachte, die rhythmischen Klänge mit Tanzeinlagen zu bereichern, wurde der Band die Aufmerksamkeit gezollt, die sie verdiente…; oder waren es doch die üppig wallenden Formen der Tänzerinnen, die im Takte der Musik vibrierten?

Wie auch immer, es wurde eine lange Nacht, nach einem sehr, sehr anstrengenden Anreisetag, die so manchem das Letzte abverlangte.

Tag 2: Fahrt nach Errikousa oder der Tag des Segels

Zum Glück war der kleine Marina-Supermarkt auch Sonntags geöffnet. So konnten sich die Crew´s für die nächsten zwei Tage mit den wichtigsten Lebensmitteln eindecken, da auf unserem ersten Ziel, der im Norden von Korfu sehr abgelegenen Insel Errikousa, kaum eine Versorgungsmöglichkeit zu erwarten war.

Strahlender Sonnenschein; kaum ein Lüftchen das sich bewegte; so passierten wir die Meerenge zwischen Griechenland und Albanien. Das monotone Brummen unseres Motors wurde nur kurz durch die Melodien unseres Taschentrompeters Schmidi unterbrochen, die er von Bord der Zoe über die ruhigen Gewässer des Ionischen Meeres erklingen ließ.

Wie aus dem Nichts erhob sich plötzlich eine steife Brise aus Nordwest, die einen großartigen Segelnachmittag versprach. Voll der Freude machten wir uns daran die Segel zu setzen, welche schon im Ansatz beim ausrollen des Großsegels getrübt wurde. In dicken Falten verkeilte sich das Groß in der Rollvorrichtung und war nur mit viel Müh und Plag in Richtung Baumnock zu bewegen. Trotzdem, dass der Wind wieder einmal exakt aus der Richtung kam, in die wir wollten, kamen wir unter Vollzeug – trotz der ausgelutschten Segeln – ganz gut voran. Es sollten aber die ersten und letzten Segelmanöver dieses Törns gewesen sein. Als wir merkten, dass uns die Wendewinkeln der Sissi eher nach Korfu als nach Erikkousa bringen werden, war der Nachmittag beinahe gelaufen und wir entschieden unsere Fahrt wieder unter Maschine fortzusetzen. Nun galt es das Großsegel zu bergen, was sich als nicht so einfach erwies. Es hatten sich deutliche Falten am Vorliek des Großsegels gebildet, die nach unten immer stärker ausgebildet waren. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass das Vorliek bereits mehr als zehn Zentimeter aus dem unteren Ende der Keep gerutscht war, obwohl das Großfall voll durchgesetzt schien. Es erwies sich als unmöglich das Groß zu bergen, ohne es neuerlich durchzusetzen. Wer das schon einmal bei einer 52 Fuß Jacht mit Rollgroß bewerkstelligt hat, weiß was ich meine. Es war harte Arbeit. Eine gute Stunde werkten wir, um das Segel wieder einigermaßen so hinzubekommen, dass es sich widerstandslos einrollen ließ. Und so eingerollt sollte es auch bleiben, für den Rest des Törns… .

Es war schon früher Abend, als wir in einer langgezogenen Bucht im Südwesten von Errikousa ankamen, wo schon einige Jachten unserer Flotte im sogenannten „Packerl“ vor Anker lagen, um der obligaten Flaggenparade beizuwohnen. Starker Schwel stand vor der Bucht, was so manchem Crewmitglied auf den zuwartenden Booten, eine gewisse Bleiche ins Gesicht trieb. Die Sonne war schon hinter den Hügeln der Insel verschwunden, bis so nach und nach alle dreizehn Jachten eintrafen und die PSV-B Flaggenparade unter den Fanfaren unseres Taschentrompeters den 10. Flottentörn als Jubiläumstörn legitimierte.

Flaggenparade

So war es dann auch bereits zappenduster, als wir im Hafen von Errikousa eintrafen, was die Anlegemanöver bei den herrschenden Winden nicht gerade erleichterte. Plötzlich wollte jeder der Erste im Hafen sein. Anstatt vor dem Hafen zu warten, bis im relativ engen Becken ein Manöver beendet war, wurde überholt, gerangelt und gedrängelt. So verging gefühlsmäßig die halbe Nacht, bis alle gut und sicher vertäut waren und man sich getrost zur Nachtruhe begeben konnte. Nachtruhe?! Was war das? Hätte nicht eine kleine zierliche Germanin den Weg von ihrem Boot, das an der gegenüberliegenden Seite des Hafens lag, auf sich genommen, um lautstark Ruhe von den singenden, klingenden Wohltönen Burgenland`s einzufordern, wäre sicher die albanische Luftwaffe ins Spiel gekommen, um das ausufernde Treiben zu beenden. Man riet ihr dann noch sich doch schlafen zu legen, um für die Überfahrt nach Italien, welche sie vorgab vor zu haben, fit zu sein. Zumindest senkte sich der Lärmpegel etwas mit fortschreitender Stunde, was möglicherweise an der konditionellen Verfassung der Sänger lag.

Tag 3: Plataria oder Fanfare für Olga

Ein klarer ruhiger Morgen eröffnete den Tag. Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes. Heftiger Südwind, Regen und hohe Wellen waren zu erwarten. Für unser Vorhaben Korfu zu umrunden, nicht die besten Voraussetzungen, weshalb wir uns entschieden für den Weg nach Süden abermals die Meerenge zwischen Griechenland und Albanien zu wählen, um Olga im Hafen von Plataria zu besuchen. Gut sieben Stunden tuckerten wir unter Motor dahin, bis wir gegen 16:00 an der Mole von Plataria festmachen konnten. Und keine Minute zu früh. Kaum hatten wir angelegt, erschien eine weitere Flottille am Horizont. Jetzt wurde es richtig eng im Hafen. Boot an Boot quetschte sich in die kleinste Lücke und irgendwie fand dann doch jeder ein sicheres Plätzchen.

Olga strahlte; das Lokal war zum Bersten voll. Selbst im Gastgarten war kein einziger Platz mehr zu haben. Und das Mitte Oktober, wo in vielen Buchten die Tavernen bereits dicht gemacht hatten. Die Stimmung war gewaltig. Unser Taschentrompeter versetzte mit seinen Darbietungen nicht nur Olga in Verzückung, sondern lies das gesamte Lokal in einen Rausch von Glückseligkeit versinken, der so manchem Gast ein schmerzliches Erwachen am nächsten Morgen bescherte. Selbst der Staubsaugervertreter von der Segeljacht Felicitas, lies es sich zur Freude Olgas nicht nehmen, zum Takte der Musik die Vorzüge seines mitgebrachten Sauggerätes vorzuführen.

Die Tische bogen sich unter den kulinarischen Köstlichkeiten, die von allen möglichen Vorspeisen mit Käse und Meeresfrüchten aller Art, über die traditionelle griechische Küche, bis zu div. Grillgerichten mit Gemüse, Reis und verschiedenen Fleischsorten bester Qualität reichten. Auch die Nachspeisen, nach denen der obligate „Uuuuuuuusoooooo“ nicht fehlen durfte, sind hier einer Erwähnung wert. Nun war es nur logische Konsequenz, dass nach dem üppigen Gelage etwas Bewegung in Form eines griechischen Tanzkurses, im in unmittelbarer Nachbarschaft gelegen Dream Café, erforderlich wurde. Flugs hatte man dort die Agenden des Discjockeys übernommen und original griechische Melodien, wie Lieder von STS, Udo Jürgens und Peter Alexander hallten durch die spätabendliche Stille der idyllischen Bucht,  dem Morgengrauen entgegen.

Tag 4: Tiefrote Lippen auf Gaios

Für so manchem ein Morgen voller Grauen, brannte doch bereits am frühen Vormittag die Sonne unbarmherzig vom Himmel. Des Einen Freud`, des Andren Leid`, trafen wir uns wieder bei Olga, um ein fantastisches Frühstück im Schatten ihres Gastgartens zu genießen. Ein grandioser Blick auf die spiegelglatte See der Bucht und die frische, würzige Meeresluft, machten den Morgen zu einem unvergesslichen Erlebnis, das so manche Unpässlichkeit, des vergangenen Abends erträglich erschienen lies. Nichts desto Trotz mussten wir aufbrechen. Unser nächstes Ziel war Lakka, eine kleine idyllische Bucht auf Paxos, die wir für einen Badeaufenthalt aufsuchen wollten. Nachdem uns Olga mit einer Flasche Rotwein verabschiedete, machten wir uns auf den Weg.

Plataria

Kaum war Plataria außer Sichtweite, zog es unser Skipper auch schon vor, seinen Körper in die Horizontale zu wuchten. Selbst als Wind aufkam änderte sich nichts. Ans Segel setzen war ja nicht zu denken, da alle noch gut in Erinnerung hatten, wie schwer es war das Großsegel wieder wegzuräumen. So motorten wir gemütlich Richtung Lakka und freuten uns auf einen gemütlichen Nachmittag.

Idylle war was anderes… . Kurz vor 13:00 Uhr ließen wir den Anker fallen. Wir waren nicht die Einzigen hier. Zahlreiche Crews hatten natürlich dieselbe Idee gehabt. Rundum ankerten bereits gut zehn Boote. Von der stattlichen Motorjacht über einige Slups und Katamarane bis zu kleinen Schlauchbooten war alles vorhanden. Und es wurden immer mehr. Kein Wunder, ist doch Lakka eine herrliche Bucht. Einer kleinen Ortschaft vorgelagert, gegen beinahe alle Winde geschützt, lädt sie mit kristallklarem, türkis glitzernden Gewässer zum Chillen ein. Ein Ort, zum Teil umrahmt von grünen Hügeln und schroffen Felsen, mit einer kleinen Badebucht im hintersten Winkel, die keine Wünsche offenlässt. Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Ersten in die Fluten stürzten. 25 Grad zeigte das Wasserthermometer. Selbst unser Skipper, dem eine warme Dusche noch zu kalt erscheint, lies es sich nicht nehmen, mit einem mächtigen Satz von der untersten Stufe der Badeleiter, ins Wasser zu gleiten… . So nach und nach trudelte ein Großteil der restlichen Flotte in Lakka ein. Das „Packerl“ wuchs rasch an, und analog dazu auch die Stimmung. Gesellige Runden im Wasser und auf den Booten sorgten für artgerechte Gebindeentleerung und kaum einer dachte mehr daran, dass wir ja noch einige Meilen nach Gaios vor uns hatten, wo wir die Nacht verbringen wollten.

Eine steife Brise auf die Nase bescherte uns die Fahrt nach Gaios. Wäre sicher eine tolle Fahrt „auf der Kreuz“ gewesen, wenn unser Großsegel in Ordnung gewesen wäre. So stampften wir unter Motor gegen die beachtlichen Wellenberge an. Der Bug donnerte in die anrollende Gischt, dass man meinte jetzt und jetzt würde der Rumpf zerbersten. Kein abwegiger Gedanke. Ist doch die Sissy bereits zweimal auf Grund gelegen…

Unter Motor nach Gaios

In Gaios eingetroffen offenbarte sich uns ein Bild des Grauens. Kreuz und Quer den Hafen blockierend, versuchten einige Yachten einen Platz an der Mole zu ergattern. Mäßiger Seitenwind und missglückte Ankermanöver sorgten dafür, dass wir eine gute halbe Stunde warten mussten, bis wir in den Hafen einfahren und anlegen konnten.

Gaios, ein kleines malerisches Städtchen auf Paxos, versteckt hinter den kleinen Inseln Nikolaos und Panagia, ist der Hauptort der Insel. Kaum hatten wir mitten im Zentrum vor der Kirche Analipsi angelegt, kam auch schon die Hafenpolizei in Form einer kleinen hübsch uniformierten Griechin zu unserem Boot, um die Liegegebühr zu kassieren. Mit einer lockeren Geste ihres rechten Handgelenks strich sie ihr schwarzes Haar über die Schulter, zückte ihren Inkassoblock und notierte den Namen unseres Schiffes. „Twenty five euros per night“ kam es leise über ihre tiefroten Lippen, wobei sie ein zärtliches Lächeln nicht unterdrücken konnte. Einen sich blitzartig in meinem Gehirn ausbreitenden, irren Gedanken, konnte ich Gottseidank schnell wieder verwerfen, und ich fragte mit rot angelaufener Birne, ob denn auch Wasser und Strom inkludiert sei. Nicht sicher, ob sie meinen kurzen Gedankenblitz nicht doch erkennen konnte, kramte ich etwas unsicher in unserer Bordkassa herum, um den Betrag zu begleichen. Strom und Wasser sei inkludiert meinte sie, während sie mit einem verschmitztem Lächeln im Gesicht, ihre Uniformkappe zurechtrückte und sich mit einem kurzen Zweifingertipp auf den Rand ihrer Tellerkappe verabschiedete. Eine tolle Frau in einer tollen Stadt…

Der Hafen war voll. Die Liegeplätze bis auf das letzte Fleckchen belegt. Reges Treiben in den schmalen Gässchen, mit netten Lokalen und kleinen Geschäften prägten den Abend, an dem wir uns in einer rustikalen Pizzeria niederließen, um nach einem deftigen Mahl die inseltypischen Weine zu genießen. Trunken vom würzigen Aroma der mediterranen Düfte, schlenderten wir noch eine Weile durch die engen Gassen der Stadt, bevor die Nacht den lauen Abend zu verdrängen mochte.

Tag 5: Die Sklaven des Charon und ihre Ärsche an der Mündung des Acheron

Kein Lüftchen regte sich an diesem Morgen. Die Sonne brannte bereits kraftvoll vom Himmel und in den Lokalen unmittelbar an der Pier saßen Männer mit dunklen Bärten an ihren Schachbrettern und schlürften griechischen Kaffee, während ihre Frauen prall gefüllte Einkaufstaschen nach Hause schleppten.   Ein unwiderstehlicher Duft frischen Brotes drang aus der nahen Bäckerei, dem man sich kaum entziehen konnte. So machte ich mich mit Hannes auf, hier unsere Vorräte aufzufüllen. Wollten wir doch die kommende Nacht in einer der zahlreichen Buchten, an einem gemütlichen Lagerfeuer verbringen. Getränke, Grillgut, Gewürze und Gebäck waren von Nöten. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir unseren Anker lichten und uns auf den Weg ans Festland, zur Mündung des Acheron machen konnten. Dort gedachten wir am Nachmittag vor Ammoudia Beach zu Chillen und zu Baden, bevor wir in einer der kleinen Buchten bei Agios Giannakis Beach die Nacht am Anker verbringen sollten.

Ein traumhafter Tag. Kein Wölkchen trübte den stahlblauen Himmel während der Überfahrt zur Mündung des Acheron. Zielstrebig pflügte sich unsere Sissi durch die spiegelglatte See. Das monoton gurgelnde Geräusch unseres Dieselmotors, nahmen wir kaum mehr wahr. Es war bereits zu unserem ständigen Begleiter geworden. Wir hätten es sehr vermisst, wenn es plötzlich verstummt wäre.

So waren wir dann auch die Ersten, deren Anker sich rasselnd in den Sand der idyllischen Bucht vergrub. Das rasseln der Ankerkette hatte scheinbar auch den Skipper der einzigen, ebenfalls hier ankernden Yacht geweckt. Ein Katamaran von etwa vierzig Fuß lag etwa hundert Meter hinter uns. Möglich, dass wir ihm die uneingeschränkte Sicht auf das offene Meer etwas einschränkten, denn er hüpfte wie von Sinnen gestikulierend von einem Bug zum anderen, um uns unmissverständlich seinen Unmut kundzutun. Ein freundlicher Landsmann, nach dem rot weis roten Stander zu urteilen, der vermutlich die Bucht für sich gepachtet hatte. Irgendwie musste er erkannt haben, dass uns sein Anliegen nicht sonderlich berührte, denn kurz darauf versammelte sich seine gesamte Mannschaft auf dem Verdeck, drehten sich um und reckten ihre Ärsche in unsere Richtung. Na Mahlzeit, keiner unter siebzig. Böse Zungen behaupteten, sie hätten ein Tatoo in Form eines Wiener Wappens auf einen der Ärsche erkennen können. Was werden die erst unternehmen, wenn der Rest unserer Flotte eingetroffen ist, dachten wir und straften sie durch Nichtbeachtung.

Es dauerte auch nicht lange, bis so nach und nach der Rest der Flotte eintraf und dem freundlichen Skipper endgültig klar wurde, dass er nicht der einzige Segler in diesen Breiten war. Mitsamt seiner Mannschaft verschwand er unter Deck und ward nicht mehr gesehen. Allerdings war es dann auch mit der Ruhe in der Bucht vorbei. Die Beiboote wurden zu Wasser gelassen und es entstand ein reger Fährverkehr zwischen den einzelnen Yachten, zum Austausch diverser flüssiger Köstlichkeiten. Hannes ließ es sich nicht nehmen zum Strand zu schwimmen. Er schaffte es locker, den golden schimmernden, beinahe menschenleeren Sandstrand zu erreichen. War doch gut eine fünfhundert Meter lange Strecke zu überwinden. Er schien aber dann doch sichtlich erleichtert zu sein, als er mit einem der Beiboote am Strand abgeholt wurde und sich den Rückweg ersparte.

Wir blieben noch bis zum frühen Nachmittag und machten uns dann auf den Weg zu der kleinen namenlosen Bucht, next Agios Giannakis beach, wo wir über Nacht bleiben wollten. So nach und nach hoben sich die Anker und alsbald hatte der nette Landsmann auf seinem Katamaran die Bucht wieder für sich alleine. Fünf bis sechs Meilen mussten wir bis zu unserem Ankerplatz motoren, wo abermals mehrere Yachten gleichzeitig das Ankermanöver fuhren. Scheinbar wollte jeder so nah als möglich beim Strand ankern. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis alle ihren Platz gefunden hatten.

Am Strand stieg schon die erste Rauchsäule gegen den Himmel, als wir gerade mal die Landfesten ausgebracht hatten. Grillen an Land oder an Bord war angesagt. Da wir uns für letzteres entschieden hatten, blieben wir an Bord und nach einer deftigen Zwiebelsuppe, die uns der Skipper servierte, genossen die saftigen Steaks mit diversen Beilagen und Olgas Rotwein. Wir ersparten uns den stressigen Warentransport zum und vom Strand und genossen die Zeit an Bord. Der Abend war lau und es regte sich kein Lüftchen. Der Mond schien hell und tauchte die Bucht in ein gespenstisches Licht. Das Meer schien glatt wie ein Spiegel und die Stille wurde nur manchmal durch das aufklatschen eines aufgescheuchten Fisches, jäh unterbrochen. Leuchtende Spuren zogen durchs Wasser, hervorgerufen durch fluoreszierende Algen, die im Mondlicht kurz aufblitzten und gleich wieder verschwanden.  Abarakadabara… eine zauberhafte Nacht, voll des guten Weines.

Tag 6: Syvota oder im Banne des Hillinger

Vorbei an einer riesigen Süßwasserquelle mitten in der Bucht des Heiligen Giannakis, machten wir uns auf den Weg nach Syvota. Schlechtwetter war angesagt. Kaum an Parga vorbei, zogen auch schon die ersten Wolken auf. Wir wollten keine Zeit verlieren und möglichst trocken in Syvota ankommen. Der Wunsch war der Vater des Gedankens, der nicht erhört wurde. Noch während des Anlegemanövers in Syvota begann es regelrecht zu schütten. Der Himmel brach über uns herein und es goss in Strömen. Sowohl Sprayhood, als auch das Biminitop konnten dem so gut wie nichts entgegensetzen, weshalb wir uns unter Deck in Sicherheit bringen mussten, um nicht jämmerlich zu ersaufen.

So machten wir uns über den Rest der flüssigen Versorgungseinheiten her und sind schließlich bei einen einheimischen Tröpferl gelandet, welches die gesamten Aromen der griechischen Weine in sich wiederspiegelte. Eigenartigerweise hatte der Wein die Reise seit Anbeginn überdauert, was wahrscheinlich am tief gelb schimmernden Glanz der Köstlichkeit gelegen hatte. Um trotz aller Widrigkeiten den Wein doch noch einer Verwertung zuzuführen, hatte unser Skipper die grandiose Idee, einfach eine geeignete Werbekampagne zu starten. Kurzerhand wurde für die Flasche ein neues Etikett mit der Aufschrift „HILLINGER“ kreiert. Der Erfolg war grandios. In Windeseile sprach es sich herum: “Die haben noch einen HILLINGER, da müssen wir hin…“. Kaum hatten wir die Mär verbreitet, schon füllte sich ungeachtet des prasselnden Regens unser Cockpit und es dauerte nicht lange bis die Mannschaft der benachbarten Zoe, auch die letzte Flasche des griechischen „HILLINGERS“ geleert hatte. Das war Marketing vom Feinsten.

So kam es, dass trotz des strömenden Regens die Stimmung in unserem Cockpit stetig stieg und schlussendlich in einem alles übertönendem „ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜbeeeeerall auf der Welt schein die Soo oooo neeeee, nur HIER nicht“, gipfelte. Erst als vereinzelt aufblitzende Sonnenstrahlen das Ende des Gewitters ankündigten und auch der letzte Tropfen der mitgebrachten Köstlichkeiten versiegt war, verzogen sich die Gäste, um sich langsam auf das bevorstehende Abendessen vorzubereiten.

Landfein eingedüftelt begaben wir uns auf die Suche nach unserem Skipper, der wie schon so oft, vorzeitig das Schiff verlassen hatte. Eine feuchtfröhliche Runde im legendären Bamboo Place hatte es ihm angetan, die er offensichtlich der Gesellschaft seiner eigenen Mannschaft vorzog. Um nicht in Gefahr zu geraten, ebenfalls in den unendlichen Weiten des Bamboo Place`s versumpern zu müssen, reservierten wir kurzerhand einen Tisch im angrenzenden Family Restaurant Georgeos, was sich als Volltreffer erwies. Nachdem uns Georgeos gleich zum eingewöhnen einige Runden Uso kredenzte, folgte ein feudales Abendessen, das alle Stückerl spielte. Erst nachdem wir uns die Bäuche so richtig vollgeschlagen hatten und der Retzina des Hauses unsere Gehirnwindungen umspülte, begaben wir uns nach einigen Umwegen auf unser Schiff, um noch einiges an Überraschungen zu erleben.

Das heftige Gewitter hatte einen umfassenden Stromausfall zur Folge. Die Liegeplätze waren ohne Strom und es war nicht absehbar, wann dieser wiederhergestellt werden könnte. Der Hafenmeister war natürlich schon bald nach dem abkassieren über alle Berge verschwunden und eine Hafenbehörde suchten wir vergebens. Gottseidank blieb der kleine Souvenirladen unter Strom, denn der hatte neben diversen Touristenkrimskrams auch ein funktionierendes Kühlregal voll mit köstlichen Getränken, mit denen wir unsere Vorräte etwas auffrischen konnten. Einige Flaschen Gin, etwas Tonic und Zitronen gegen Skorbut reichten uns für`s Erste, um dem angebrochenen Abend zu einem standesgemäßen Finale zu verhelfen.

Wir trauten unseren Augen kaum. An den Lichtern der Stromanschlusskästen konnte man erkennen, dass wieder Strom zur Verfügung stand. Doch was war das? Das Stromanschlusskabel unserer Sissy lag im Dreck neben dem Stromkasten und stattdessen hatte sich ein weiter weg liegender Katamaran mittels Verlängerungskabel an unseren teuer erkauften Steckplatz gehängt. Na das durfte doch nicht wahr sein. Kurzerhand entfernten wir das Kabel des Halunken, stellten unsere Stromversorgung wieder her und begaben uns unter Deck, um uns an den frisch ergatterten Versorgungseinheiten zu laben. Das ging auch eine ganze Weile gut, bis sich der Strom abermals verabschiedete. Ein Blick vom Niedergang zum Stromkasten genügte, um mein Blut in Wallung zu bringen. Standen doch drei betrunkene Kleiderschränke wankend um den Kasten platziert und zogen einen Stecker nach dem anderen heraus, um irgendwo Energie für ihren Katamaran zu ergattern. Lautstark brüllte ich hinüber, was das denn soll; ob sie denn ein Problem hätten! Worauf einer der Männer das Kabel, das er gerade in der Hand hielt vor Schreck aus der Hand warf und dieses in weitem Bogen ins Wasser platschte. Super, es war unser Kabel. Das war`s dann wohl, Strom würden wir wohl diese Nacht keinen mehr beziehen können.

Ich kochte vor Wut und wäre am liebsten einem der Dummköpfe an die Gurgel gesprungen, wären es nicht muskelbepackte, glatzköpfige Riesen gewesen, die augenscheinlich in die Nähe diverser russischer Volksvereine einzuordnen waren. Außerdem lag am anderen Ende der Pier ebenfalls ein Katamaran dessen Mannschaft offensichtlich dem selbigen Adelsstand angehörte. So war die Wut plötzlich verflogen und ich erklärte ihnen mehr oder weniger freundlich den Sachstand, worauf sie sich entschuldigend verabschiedeten.

Wir versuchten noch das Stromkabel zu zerlegen und zu trocknen, um doch noch unseren Kühlschrank auf akzeptable Temperatur zu bringen. Dies scheiterte aber schon am Mangel geeigneten Werkzeugs oder mangelnder Kompetenz? Egal, es blieb uns also nichts anderes übrig, als die noch einigermaßen kalt gebliebenen Gebinde einer gnadenvollen Verwertung zuzuführen und den nun doch schon fortgeschrittenen Abend für den wohlverdienten Rückzug in unsere Kojen zu nützen.

Tag 7: Die Schlangen von Gouvia – der Traum vom Törn

Ein klarer, sonniger Morgen empfing uns an unserem letzten Segeltag. Der Himmel zeigte sich in tiefem Blau und zarte Wölkchen schimmerten am Horizont. Wehmut kam auf. Gerne wären wir noch geblieben, aber die Zeit war um. Nachmittags wurden wir bereits im Heimathafen erwartet. Wir wollten noch einen ausgiebigen Badetag in der Nähe der Marina Gouvia genießen, um so spät wie möglich im Hafen festzumachen.

Gemütlich tuckerten wir über die glatte See in Richtung unseres Ausgangshafens. Es war ein herrlicher Tag. Wir genossen noch einmal die wärmende Sonne, den erfrischenden Fahrtwind der unser Locken umspielte und die salzige Luft auf unserer Haut. Auf Höhe der Festung Korfu überholte uns die Laura, deren Besatzung ebenfalls noch vor der endgültigen Beendigung unseres Törns, für einen Badestopp vor Anker gehen wollte. So kam es, dass wir uns ein wenig außerhalb der Marina Gouvia zum Packerl schnürten und gemeinsam einen tollen Badenachmittag genießen konnten.

Doch irgendwann musste es sein. Noch eine nervenaufreibende halbe Stunde vor der Tankstelle, und schon wurden wir von Birgit an der Pier in Empfang genommen. Alles festgemacht und gesichert, Pasarella ausgebracht und Stromkabel angesteckt… . Kein Strom! War das Kabel immer noch feucht? War eine Sicherung defekt? Das große Suchen begann. Sämtliche Haupt- und Nebenschalter, Sicherungen und Kabelverbindungen wurden überprüft. Kein Erfolg! Es blieb nichts anderes übrig, als das was wir schon in Sivota tun hätten sollen, nämlich den Stecker zu zerlegen. Gedacht, gesagt, getan entpuppte sich der Pluspol im Stecker als nicht vorhanden. Die letzte Litze, des geschwärzten Kupferkabels hatte sich wohl durch die nächtliche Aktion in Sivota aus der Verankerung gelöst. Ich denke die Verbindung hätte sich früher oder später sowieso gelöst, auch wenn das Kabel nicht durch die Typen in Syvota rausgerissen worden wäre. Nun war das auch gelöst und wir konnten uns ruhigen Gewissens auf die Verabschiedung in Tony`s Taverne vorbereiten.

Und das war auch von Nöten. Tony`s Taverne war wieder bummvoll. Abgesehen von unseren Crew`s, waren da noch weitere Mann- und Frauschaften, die an diesem Abend Crewwechsel hatten. Dazu kamen noch die Fangruppe der Musiker und einige Einheimische. Schon beim Eintreffen war der Lärmpegel so hoch, dass man kaum sein eignes Wort verstand. Die Musik brüllte aus den Lautsprechern, die Leute schrien, sangen und klatschten was das Zeug hielt. Dazwischen drängten sich die Kellner mit den Speisen und Getränken durch die Menschenmengen. Erstaunlicherweise klappte die Getränke- und Speisenversorgung perfekt. Kaum hatte man einen Gang genossen, stand auch schon der nächste auf dem Tisch. Ich hatte beim fünften Gang zu zählen aufgehört, da ich nicht mehr in der Lage war, auch nur einen Bissen runter zu kriegen.

In Tony´s Taverne

Die Männertraube an der Bar schwankte bereits beträchtlich, als sich der weibliche Anteil des Fanclubs zum Tanze erhob. Üppig beleibte Schönheiten im Leopardenoutfit, schwangen ihre Hüften zu den lieblichen Klängen griechischer Musik. Wie erstarrt wirkten die Gesichter der Seemänner, als sich eine zierliche Rothaarige erhob und in schlangengleichen Bewegungen ihrer Hüften die Männer umgarnte. Der Geifer tropfte aus ihren offenstehenden Mündern und sie vergaßen glatt auf ihren eiswürfelgekühlten Drinks an der Theke, als sich die hübsche Rothaarige mit einem Satz auf den Tisch begab und ihre weißen Schenkel den fast von den Stühlen kippenden jungen Männern, vor die Nase hielt. Es musste für die über Tage ausgedörrten Crews wohl eine elendige Qual gewesen sein, der verlockenden Versuchung der sinnlichen Weiblichkeit zu widerstehen. So verging der Abend wie im Flug und langsam kam dem Einen oder Anderen der Gedanke, dass wir spätestens um drei Uhr früh unseren Bus zum Flughafen erreichen mussten. Sollte man dann etwa gleich durchmachen? Würde es sich überhaupt auszahlen die wenigen Stunden bis zum Abflug mit Schlaf zu vergeuden? Ich entschied mich dann doch für Letzteres, begab mich -mit von Völlerei geschwängertem Bauche- Richtung Koje und verfiel in einen tiefen Schlaf mit langem intensiven Traum…, vom 10. Jubiläumsflottentörn des Polizeisportvereins Burgenland, Sektion Segeln.

Ich hoffe es hat euch Spaß gemacht und es fühlt sich niemand auf den Schlips getreten, denn alle handelnden Personen und Ereignisse sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen sind rein zufällig und vom Autor nicht beabsichtigt.

plu